Importe sparen mehr als die frühe Nutzenbewertung

Merzig (25.09.2014) – Mit der Präsentation des 30. Arzneiverordnungsreports durch Prof. Dr. Schwabe und Dr. Dieter Paffrath im Auftrag des Wissenschaftlichen Institutes der AOK (WIdO) wurden in diesen Tagen die aktuellen Verordnungsdaten und Kosten der Arzneimittelversorgung
in Deutschland transparent dargestellt.

Eine der Kernbotschaften ist, daß Deutschland im Bereich der patentgeschützten Arzneimittel noch immer zu den höherpreisigen Ländern gehört. Hier macht der Report ein Einsparvolumen von 2 Milliarden Euro aus und unterstellt, daß es lange dauern wird, dieses Volumen zu heben. Genau dort setzen Arzneimittelimporte an, die auf Basis der für die Krankenkassen maßgeblichen Erstattungspreise günstiger als die patentgeschützten Bezugsarzneimittel sind.

Auf Basis der Zahlen von Insight Health für die Monate Januar bis August 2014 werden in 2014 hochgerechnet etwa 37 Millionen Import-Packungen in Deutschland abgegeben. Diese führen zu direkten Einsparungen von rund 300 Millionen Euro für die gesetzlichen Krankenkassen. Das sind immerhin 15 Prozent des möglichen Sparvolumens. „Die direkten Einsparungen durch Importe sind damit etwa doppelt so groß wie die Einsparungen aus der frühen Nutzenbewertung für 2013“, so Jörg Geller, Geschäftsührer von kohlpharma.

Wichtiger noch als die direkten Einsparungen sind die indirekten Ersparnisse durch den preisdämpfenden Wettbewerbseffekt des Imports. Schon bei Markteintritt sind die Hersteller eines neuen Arzneimittels bemüht, die Preisspreizung in Europa nicht zu groß werden zu lassen, um die Konkurrenz durch die Importeure zu erschweren. Schätzungen zufolge führt der Wettbewerbsdruck ab Markteintritt zu Minderausgaben von ca. 3 Mrd. Euro im Jahr.

Nachdem auch für die Krankenkassen das ökonomische Gesetz gilt, daß jeder ausgegebene Euro zunächst eingenommen oder anderswo eingespart werden muß, ist die Kritik der ABDA-Spitze an den angeblich zu geringen Einsparungen sowie der „nicht mehr zeitgemäßen“ Importquote schwer verständlich. „Die Importförderung ist angesichts der finanziellen Herausforderungen der gesetzlichen Krankenkassen und der Leistungserbringer auch in Zukunft aktueller denn je. Wenn man einfach die gesamten direkten Einsparungen durch Importe durch die Anzahl deutscher Apotheken teilt, ergibt sich eine Ersparnis von ca. 14.500,- Euro, die eine Apotheke im Durchschnitt mit Importen für die Solidargemeinschaft realisiert“, so Geller weiter.

Ein Drittel dieses Betrages fließt etwa durch die Notdienstpauschale in die Apotheken zurück. „Ich verstehe sehr gut den Wunsch der Apotheker, für ihre Leistungen angemessen und unter Berücksichtigung von Teuerungsraten honoriert zu werden“, erläutert Geller. „Allerdings geht das nur, wenn den Kassen die dafür notwendigen Mittel auch zur Verfügung stehen.“