Pharmaindustrie will Preiskonkurrenz verhindern

Merzig (19.02.2013) – „Heute Griechenland, morgen Spanien und Portugal, das ist der Plan der Pharmaindustrie“, so Jörg Geller, Geschäftsführer des marktführenden deutschen Arzneimittel- importeurs kohlpharma. Die europäische Pharma-Lobby wittere die Chance, sich durch das griechische Exportverbot für 34 Arzneimittel vor der Preiskonkurrenz der Arzneimittelimporteure zu schützen.

Jetzt will die EFPIA sogar ein vollständiges Exportverbot in Griechenland erreichen. Sie behauptet, angesichts der griechischen Finanzkrise sei ansonsten die Patientenversorgung gefährdet. In Wirklichkeit sind in Griechenland viele Preise rückläufig, auch die für Arzneimittel. Dies fürchtet die EFPIA und will die dadurch ermöglichten günstigeren Parallelimporte in andere europäische Länder unbedingt verhindern, weil sie den Preisdruck der Importarzneimittel fürchtet. „Wer dem auf den Leim geht, schadet dem deutschen Gesundheitswesen“, so Geller. „Sinkende Arzneimittelpreise kommen den Kassen zu Gute, denn Importarzneimittel haben immer die wichtige Funktion, zu verhindern, dass die Pharmaindustrie ihre Preise ohne Konkurrenz bilden kann.“
Wichtig für die Versorgung griechischer Patienten ist nicht ein Unterbinden des Exports sondern die Wiederherstellung der Zahlungsfähigkeit des griechischen Gesundheitswesens.

Schon im Juni des vergangenen Jahres beklagte die Athener Zeitung Ta Nea das die griechischen Kostenträger Außenstände bei Lieferanten in Höhe von 2 Milliarden Euro hätten (Zeit online, 11.6.2012). Apotheken geben bereits heute Arzneimittel oft nur gegen Barzahlung an die Patienten ab.

Der griechische Großhandelsmarkt wird von kleinen mittelständischen Unternehmen geprägt. Durch die ausbleibenden Zahlungen der Kostenträger an die Apotheken sind diese wesentlich von Krediten des Großhandels abhängig. Der Großhandel wiederum finanziert sich zur Zeit fast ausschließlich durch Exporte. Nach Meinung von Kennern des griechischen Marktes führt ein Wegfall des Exports mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Zahlungsunfähigkeit von etwa 120 pharmazeutischen Großhändlern.

„Es ist eine Binsenweisheit, dass insolvente Großhändler und Apotheken keine Patienten mehr versorgen können“, so Geller. Es liegt nicht am Export, wenn griechischen Patienten dringend benötigte Medikamente nicht mehr zur Verfügung stehen, sondern am Kollaps des staatlichen Gesundheitswesens. Ohne dem Handel der Exportfirmen bleibt auch noch die restliche Versorgungsstruktur auf der Strecke.